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Hundeaugen für Details

Mit Hundeaugen gesehen

Mit Hundeaugen gesehen

MEIN HUND GLOTZT TV?
Wohl eher nicht, wenn es sich um analoges Fernsehen handelt. Denn, was sehen Hunde, die auf einen Fernseher schauen? Sie lassen sich dabei nicht so einfach täuschen wie wir und sind schon alleine deshalb nicht besonders interessiert. Da Menschen rund 60 Bilder pro Sekunde wahrnehmen (60Hz), kann uns das Fernsehen mit nur wenig mehr Stillbildern pro Sekunde dazu verführen, einen ablaufenden Film zu sehen. Rex, Luna und Chilli lassen sich nicht so einfach „täuschen“. Hunde können 70-80 Bilder pro Sekunde wahrnehmen. Fernsehen kommt für den Hund daher eher einer sehr schnellen Diashow gleich. Allerdings gibt es in den USA tatsächlich bereits Hunde-TV. Dies wird durch das digitale Fernsehen ermöglicht, da Hunde einer britischen Studie zufolge digitale TV-Bilder (digital aufgenommen bzw. entsprechend bearbeitet und digital gesendet) besser erkennen können als analoge. 

 

STARRT MEIN HUND MICH AN?
Bestimmt immer wieder mal. Aber Hunde verraten sich dabei nicht so schnell wie Menschen. Es fällt uns schwer zu verbergen, wenn wir etwas oder irgendjemanden mit Interesse anstarren. Die Tatsache, dass sich Hundepupillen in der Größe nicht so sehr an die Verhältnisse anpassen wie Menschenaugen, dass Iris und Pupille einen farblich weniger scharfen Kontrast bilden und dass beim Hund die weiße Lederhaut kaum sichtbar ist, erlaubt es Hunden, deutlich unauffälliger zu beobachten.

 

EIN AUGE FÜRS DETAIL!
Manchmal erstaunt uns unser Hund, wenn er ein Detail, das wir gar nicht weiter wahrgenommen haben, schon von weitem zu sehen scheint. Der Mensch neigt dazu, die Umwelt als Ganzes wahrzunehmen und damit eine kleine Abweichungen von dem erwarteten Normalzustand zu übersehen. Ein Hund hingegen sieht die gleiche Umwelt im Detail und wird den Eimer, der vor einem Tag noch nicht vor der Brücke stand, sofort als neues Objekt wahrnehmen.

 

WAS ZU SAGEN BLEIBT:
Vielleicht hätte die hübsche Vizsla-Dame die schönen Blumen auf der Wiese nicht einfach so plattgewalzt, wenn sie denn die Farbenpracht deutlicher gesehen hätte.

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Ich sehe 50 Rehe am Waldrand stehen bevor mein Hund auch nur auf eines reagiert. Aber beim täglichen Spaziergang scheint er jede kleine Veränderung wahrzunehmen, die mir gar nicht aufgefallen wäre. Auf der anderen Seite haben wir einen enormen Verschleiß an Tennisbällen, die einfach immer wieder verloren gehen, weil er sie nicht zu sehen scheint. Wie ist das möglich? Wie sieht der Hund seine Umwelt? Wo sind seine Augen dem Menschen über- oder unterlegen?

 

DER PANORAMABLICK
Beobachtet man einen Mops und einen Collie beim visuellen Verfolgen eines Frisbees, dann bewegt der Mops seinen Kopf weit mehr als sein Freund mit der langen, spitzen Schnauze. Umso seitlicher am Kopf die Augen liegen, desto größer ist das Gesichtsfeld. Doch selbst der Mops ist dem Menschen im peripheren Sehen noch überlegen. Hunde haben quasi einen „Panoramablick“ von 200 bis 270 Grad, während der Mensch sich mit 180 Grad begnügen muss.
Dafür überlappen sich die Gesichtsfelder beim Hund deutlich weniger als beim Menschen – 30 bis 50 Grad beim Hund, 140 Grad beim Menschen. Das Resultat: Ein Hund kann Entfernungen nicht so gut abschätzen wie ein Mensch und ist dem Menschen auch in der räumlichen Wahrnehmung unterlegen.
Eine weitere Kehrseite der seitlich liegenden Augen ist, dass Hunde oft das nicht sehen oder zumindest nicht besonders scharf sehen, was unmittelbar vor ihrer Nase liegt.
Darüber hinaus können Hunde nicht so weit sehen wie ein gesunder Mensch.

 

FARBENBLIND, ABER BEWEGUNGSSENSIBEL BEI HERAUSRAGENDER NACHTSICHT?
Die Netzhaut eines Hundeauges hat deutlich mehr Stäbchen (sehr lichtempfindlich, senden Hell-Dunkel-Kontraste an das Gehirn) als Zapfen (verantwortlich für das Farbsehen, werden bei hellem/mittleren Licht beansprucht). Auch im Vergleich zum menschlichen Augen hat ein Hund viele Stäbchen und um ein vielfaches weniger Zapfen. Damit ist der Hund besonders lichtempfindlich und der Mensch kann Farben besonders gut sehen.

Hunde sind aber nicht farbenblind, wie mancher glaubt. Sie haben lediglich nur zwei (statt wie der Mensch drei) Photopigmente im Auge. Eines reagiert auf blau, das andere auf gelb-grün. Blau und grün können vom Hund deshalb am besten wahrgenommen werden. Dies bedeutet nicht, dass Hunde Gegenstände in den Farben rot oder orange nicht voneinander unterscheiden können. Die Unterschiede erscheinen dem Hund aber mehr als Schattierungen.

Der fahl gelbe Tennisball im grünen Gras ist also eine Herausforderung für Hunde. Solange dieser dort still liegt. Ist der Ball aber in Bewegung, kann der Hund ihn deutlich leichter verfolgen. Den gleichen Effekt hat man in der Natur, wenn ein Hund hinter einem Kaninchen herläuft, das - so lange es 20 Meter entfernt still auf dem Boden lag - für ihn praktisch unsichtbar war.
Wenn Sie also nicht laufend gelbe Tennisbälle beim Spielen mit dem Hund verlieren möchten, dann versuchen Sie es doch mal mit einem leuchtend blauen Ball. Das sollte besser funktionieren! Außerdem sollten Sie Ihren Hund nicht nur mit Rufzeichen, sondern vor allem mit Körpersprache erziehen. Auch auf weite Entfernung wird der Hunde Ihre Bewegung, also die Gestik, die ein bestimmtes Verhalten bei ihm zur Folge haben soll, erkennen.
 
Hunde können deutlich besser im Dunkeln oder im Dämmerlicht sehen als Menschen. Dies hängt mit der großen Anzahl an Stäbchen zusammen. Das Licht, welches in das Hundeauge fällt, trifft dessen Retina mindestens zwei Mal und sorgt damit mindestens für eine Verdoppelung des Lichteffekts. Außerdem sind die Pupillen eines Hundes größer als beim Menschen, so dass diese mehr Licht aufnehmen können. Das Ergebnis sieht man z.B. wenn man in der Dunkelheit im Auto unterwegs ist und das Scheinwerferlicht auf die Hundeaugen trifft: Die Hundeaugen leuchten auf.

Alles drei, die relative Farbblindheit, das gute Auge für Bewegung und die Sicht im Dämmerlicht, lassen sich darauf zurückführen, dass die Vorfahren unserer Haushunde vorzugsweise im Dämmerlicht gejagt haben, Bewegung wahrnehmen mussten und Farben dabei eher keine Rolle spielten.